Es gibt in Jena eine Vortragsreihe „Noble Gespräche“, zu der hochrangige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingeladen werden. Zuletzt hat Prof. Dr. Venkatraman Ramakrishnan sein Auditorium mit „My Adventures in the Ribosome“ begeistert. https://www.beutenberg.de/veranstaltungen/noble-gespraeche. Seit einigen Jahren stehen die geladenen Gäste am Folgetag Promovierenden und Postdocs im Rahmen eines Seminars für ein Interview rund um wissenschaftliche Karrierewege zur Verfügung. So antwortete auch Prof. Ramakrishnan am 24.10.25 geduldig und humorvoll auf alle Fragen und bekannte ganz offen, in seiner Karriere auch weniger erfolgreiche Schritte gegangen zu sein. Seine Vita lässt sich an vielen Stellen vollständiger nachlesen. Hier nur einige Eckdaten: er studierte zunächst Physik in Indien, promovierte in Physik in den USA, um anschließend 2 Jahre Biologie zu studieren. Nach rund 20 Jahren wiss. Tätigkeiten an verschiedenen Instituten in den USA ging er 1999 nach Cambridge, wo er immer noch tätig ist. 2009 erhielt er für seine Forschungserfolge den Nobelpreis für Chemie.
Seine Empfehlungen an die teilnehmenden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler enthielten einige Kernaussagen, die auch für andere interessant sein könnten.
| 1. | Entwicklung einer wissenschaftlichen Fragestellung
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Wichtig ist für Prof. Ramakrishnan, dass junge Wissenschaftler an einer Fragestellung arbeiten, die wichtig ist, und dass sie daran festhalten. Präsentationen auf Konferenzen und Publikationen sollten sich immer um diese eine Frage drehen, damit die Person mit dieser Frage in Verbindung gebracht wird und umgekehrt.
| 2. | Auswahl einer Postdoc-Stelle und die Bewerbung darauf
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Die richtige Postdoc-Stelle sollte productiv, promotive, and relevant sein. Bewerbende sollten sich und andere fragen, ob die Stelle Teil einer Arbeitsgruppe ist, die viel und möglichst hochrangig veröffentlicht, und ob die Nachwuchskräfte in der Arbeitsgruppe gefördert werden. Und schließlich sollte das eigene Thema einen wichtigen Beitrag zum Gesamterfolg der Gruppe leisten können. Letzteres ist dann auch das überzeugendste Argument in der Bewerbung.
An die Nachwuchskräfte, die sich um Drittmittelfinanzierung bewerben, richtete er die Empfehlung, mit der bereits genannten eigenen Fragestellung zu starten, deutlich zu machen, warum man die richtige Person ist, die daran arbeiten sollte, und schließlich einen realistischen und spezifischen Prozess zu beschreiben, wie man zu Ergebnissen kommen will.
Der vielleicht langfristig wertvollste Tipp von Prof. Ramakrishnan war am Ende, dass Wissenschaft ein Marathon und kein Sprint sei. Aus diesem Grund sei es für alle, die sich der Wissenschaft dauerhaft widmen wollen, wichtig, ein Privatleben zu haben. Dazu gehöre die Familie ebenso wie Hobbies. Nur das erlaube, Abstand zu gewinnen und sich wieder neu zu fokussieren. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Prof. Ramakrishnan für die tiefen Einblicke in eine beeindruckende Karriere.